NATO-Deutschland vor Petersburg!

Welche Aufgabe hat eigentlich die NATO noch, seit der Warschauer Pakt an seiner Überflüssigkeit verendet ist?

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"Das große Karthago führte drei Kriege.
Nach dem ersten war es noch mächtig.
Nach dem zweiten war es noch bewohnbar.
Nach dem dritten nicht mehr aufzufinden."

B. Brecht, 1951


Zunächst die Frage, ob im Merkel-Kabinett niemand ist, der noch weiß, dass immerhin wir Deutschen in nur 26 Jahren zweimal bis zur Krim gestiefelt sind? Denn heute, das las man erst Ende der vorigen Woche, stehen wieder deutsche Soldaten nur 180 km vor Petersburg. Warum?

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Frau Merkel, sind Sie wahnsinnig geworden?

Die Existenz-Frage für Deutschland überhaupt. Die aber hierzulande gar nicht diskutiert wird – so wenig wie die Tatsache, dass die USA schon den Bundeskanzler Adenauer hinters Licht führten, der niemals in seinem langen Leben erfahren hat, dass ein Geheimabkommen zwischen den 4 Siegern über Hitler existiert: Sollte der Kalte in den Heißen Krieg „ausarten“, gehe garantiert in Russland, Frankreich, England und Amerika keine Fensterscheibe kaputt. Nur der US-Satellit Germany werde atomar weggemacht. Bestätigt in Kissingers Memoiren, der das selber derartig infam fand, dass er als Außenminister versuchte – doch vergeblich -, diese Ungeheuerlichkeit diplomatisch aus der Welt zu schaffen.

Nicht zuletzt deshalb wird Herr Putin Anfang Dezember vorigen Jahres auch Washington, nicht nur Berlin, als die 2 Städte genannt haben, gegen die er „unsere atomaren Streitkräfte in Bereitschaft setzt“.

Der Kreml-Herr wollte den Optimismus des Weißen Hauses vorsorglich beseitigen: Allein außerhalb der USA werde Krieg geführt – wie seit 160 Jahren. Von allen, die an den 2 Weltkriegen beteiligt waren, kennen ja allein die USA Krieg bisher nur aus dem Kino, nicht im eigenen Land – abgesehen natürlich von insgesamt einer halben Millionen Familien, denen in den 9 Kriegsjahren 1914-18 und 1939-45 ein Vater, Mann, Bruder oder Sohn fiel.

So war das bis zum 11. September 2001, als irgendwelche, noch keineswegs identifizierten, Fanatiker, suizidlustig, sich in die Twin Towers stürzten …

Diese absolute Sicherheit, zwischen sich und dort, wo geschossen wird, immer einen Ozean zu haben, sei`s der Atlantik, sei`s der Pazifik — die macht Amerika so gefährlich, weil angriffslustig. Und natürlich die Drohung der Rüstungsindustrie, die Zahl der Arbeitslosen steige, würden nicht 51% des Budgets, sogar im Frieden, dem Militär geschenkt (Bismarck zum Vergleich hat während seiner 3 Kriege nie mehr als 25 % dem Militär gegeben). Um solche Ausgaben vor dem Repräsentantenhaus zu rechtfertigen, muss natürlich nach potentiellen Kriegsplätzen Ausschau gehalten werden.

Kann kein Amerikaner das Ausmaß ihrer 2 bisher aggressivsten Provokationen einschätzen? Erstens der NATO-Parade in Narva, 100 Meter – Sie lesen richtig: Meter, nicht Kilometer (!) – vor der russischen Grenze? Kanzlerin Merkel konnte noch verbieten, dass Deutsche da mitmarschieren. Konnte aber nicht mehr verhindern, dass beim Flottenmanöver der NATO vor der Krim ein deutsches Versorgungsschiff mitmachte. Frage: Warum die NATO-Flotte nicht vor Gibraltar probt?

Die dritte und vielleicht letzte Provokation: Bis 2019 stellen die USA nach Büschel bei Frankfurt 40 neue Atomraketen, eine gegen Moskau gerichtet, 39 gegen weitere Städte und Industrie-Zentren in Rußland …

Neulich rief uns Minister Schäuble ins Gedächtnis, dass Deutschland seit Kriegsende niemals souverän war — das sieht man auch an der Ungeheuerlichkeit, dass kein Deutscher gefragt wird, ob man bei Frankfurt den Russen einen Grund liefern darf, als Zielpunkt Nummer Eins die BRD ins Visier zu nehmen …

Kommt`s zum Krieg – die Bibel ist tatsächlich sehr aktuell — wird Deutschland weg sein wie Ninive oder Babylon, Sodom und Gomorrah, die ja auch einst Großreiche waren …

Zum Schluss eine keineswegs verjährte, sondern beängstigend aktuelle Bismarck-Geschichte: Als dem Kanzler ein halbes Jahr, bevor Wilhelm der Letzte ihn „weggejagt“ hatte (des Kaisers eigenes Wort für die Entlassung), zugetragen wurde, ein General Graf Waldersee, Nachfolger des großen Moltke als Chef des Generalstabs, lasse „nur“ theoretisch-strategisch einen Feldzug gegen Russland „durchspielen“ – hat Bismarck „so lange ich amtierender Ministerpräsident bin“ das amtlich verboten, „weil das Reich selbst im unwahrscheinlichen Falle des Gelingens einen Krieg gegen Russland immer nur vor sich, niemals hinter sich“ haben könnte. Der Kanzler hatte Instinkt genug, zu spüren: „Wer erst mit Feuer spielt – macht bald auch Feuer!“ 4 Zaren hatten deutsche Fürstinnen geheiratet und Bismarck sagte rückblickend auf seine Zeit als Botschafter in Petersburg: „Ich habe in das Auge des Bären gesehen!“

Übrigens hatte zeitlebens schon Friedrich der Große diese selbe Angst, der sie sogar in seinem Testament ausspricht, durch sein Verbot an alle Nachfolger, „jemals mit den Barbaren im Osten Händel anzufangen, da man ihnen den Schaden, den sie einem zufügen können, niemals heimzahlen kann!“

Was sollte sich an der Einsicht der zwei Preußen geändert haben? Nichts ist daran verjährt … „Nur“ dies: Dass nicht mehr Deutsche, sondern Amerikaner im Pentagon als Chef auch des deutschen und leider stärksten Kontingents in der NATO, die Befehlsgewalt haben. Doch können die – sehr beängstigend – gar nicht wissen, was Angst ist, weil man auf dem amerikanischen Kontinent seit 160 Jahren keinen mehr Schuss gehört hat.

Muss man, keineswegs nur als Deutscher, sondern als Mitteleuropäer, nicht wenigstens die Frage stellen, die sogar der Rivale der Frau Clinton, weil offenbar nötig, in den Wahlkampf einbringt: Welche Aufgabe hat eigentlich die NATO noch, seit der Warschauer Pakt an seiner Überflüssigkeit verendet ist?

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