In einem Krieg mit Russland hätte die NATO keine Chance

Die Russen fürchten keine militärische Bedrohung durch die NATO

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In einem der jüngeren Beiträge für UnzReview erläuterte ich bereits, dass “unter jedem denkbaren Szenario Russland die Mittel und Möglichkeiten besitzt, die USA als Staatengebilde innerhalb von rund 30 Minuten zu zerstören (wobei die USA umgekehrt über die gleichen Möglichkeiten in Bezug auf Russland verfügt). Jeder U.S. Kriegsstratege hätte dieses Eskalationspotential bei allen Überlegungen zu militärischen Aktionen gegenüber Russland in Betracht zu ziehen.“

Dabei drängt sich immer die Frage auf, ob Russland grundsätzlich in der Lage wäre, die USA militärisch auch dann herauszufordern wenn wir mal theoretisch annehmen würden, dass keine der beiden Parteien weder strategische noch taktische Nuklearwaffen einsetzen würde.

<figcaption>Russlands Luftlandetruppen – Moskaus schnelle Eingreiftruppe</figcaption>
Russlands Luftlandetruppen – Moskaus schnelle Eingreiftruppe

Wenn – wie von einer unsichtbaren Hand gesteuert – alle Nuklearwaffen verschwinden würden, wie sähe dann das militärische Gleichgewicht zwischen Russland und den USA aus?

Warum Erbsenzählen in diesem Zusammenhang keinen Sinn macht

Die typische Antwort auf diese Art von Fragestellungen sieht so aus, was U.S. Militärplaner als “Erbsenzählerei” bezeichnen.

Typischerweise nutzen Journalisten Publikationen wie das jährliche „IISS Military Balance“ oder eine Quelle wie „Global Firepower“ für Gegenüberstellungen von Truppenstärken, Kampfpanzern, Schützenpanzern, Transportpanzern, Kampfflugzeugen, Artilleriegeschützen, Bombern, Flugkörpern, Kriegsschiffe, U-Boote usw. der jeweiligen Seite.

Realistischerweise macht diese Erbsenzählerei kaum Sinn. Nehmen wir ein einfaches Beispiel: sollte, als hypothetische Annahme, ein Krieg zwischen China und Russland ausbrechen und China hätte 1.000 Kampfpanzer in der Provinz Yunnan stationiert, so hätten diese Panzer keinen Einfluss auf den Ausgang dieses Konflikts. Ganz einfach deswegen, weil diese Kampfpanzer viel zu weit entfernt ständen und nicht rechtzeitig herangeführt werden könnten.

Folgende Fragen sind dabei von Bedeutung:

a) Welcher Teil der weltweiten U.S. Streitkräfte stünde den U.S. Kommandeuren unmittelbar für einen Krieg mit Russland zur Verfügung?

b) Auf welche Verstärkungen kann diese Truppe hoffen und wie rasch könnte diese zugeführt werden?

Man muss dabei berücksichtigen, dass Kampfpanzer, Bomber, Soldaten und Artillerie nicht isoliert kämpfen, sondern gemeinsam - sie operieren im sogenannten Kampf der verbundenen Waffen.

Selbst wenn es den USA also gelänge, eine Anzahl „X“ an Truppen zum Einsatzort „A“ zu transportieren, so wären diese ein leichtes Ziel, sofern nicht auch alle anderen Waffen und Truppengattungen vor Ort gebracht werden können.

Darüber hinaus benötigt jede Kampftruppe eine enorme logistische Unterstützung. Es ist schön und gut ein Kampfflugzeug zum Einsatzort „A“ zu bringen, wenn jedoch Luftabwehrflugkörper, Ersatzteile und Wartungsspezialisten fehlen, so wären diese Kampfflugzeuge rasch nutzlos. Nach einer Schätzung aus dem Jahre 1991 könnte sich eine U.S. Kampfdivision gerade 5 Tage aus eigener Kraft behaupten – danach wäre eine substantielle Zuführung einer Verstärkung und von Nachschub unerlässlich.

Letztendlich wäre auch jede Einheit, die die USA vom Einsatzort “A” zum Einsatzort “B” verbringen damit am Einsatzort „A“ nicht mehr vorhanden und könnte dort ihre eigentlich zugewiesenen Kampf- oder Verteidigungsaufträge nicht mehr erfüllen. Wenn man sich nunmehr vorstellt, dass der Einsatzort „A“ der Mittlere Osten oder der Ferne Osten sein könnte, so erkennt man leicht, vor welch große Probleme U.S. Kommandeure gestellt sein könnten.

Umfassende Kriegsführung

Wir kennen alle ein sehr gutes Beispiel, das illustriert wie die USA typischerweise vorgehen: Operation Dessert Shield. Zur Durchführung dieser großangelegten Operation brauchten die USA sechs Monate Vorlaufzeit sowie einen noch nie dagewesenen logistischen Aufwand um die Kräfte für einen Angriff auf den Irak zu bündeln.

Darüber hinaus hatte man Saudi Arabien über Jahrzehnte hinweg genau für diese Rolle – der Aufnahme von massiven Truppenkontingenten – vorbereitet. Dies geschah im Rahmen der sogenannten Carter Doktrin. Was den USA ebenfalls half war der Umstand, dass der amerikanische Truppenaufmarsch in keinster Weise von Saddam Hussein behindert oder gestört worden war.

Nun sollte man sich folgende Fragen stellen:

a) im Falle einer militärischen Konfrontation mit Russland: welches Nachbarland Russlands könnte eine vergleichbare militärische Infrastruktur wie das Königreich Saudi Arabien mit vorgelagerter und vorbereiteter Ausrüstung, riesigen Militärbasen, Rollfeldern und Flugplätzen, Tiefseehäfen usw. aufbieten?
Antwort: keines!

b) Wie wahrscheinlich ist es, dass Russland den USA sechs Monate Vorbereitungszeit einräumen würde ohne irgendetwas zu unternehmen? (Antwort: extrem unwahrscheinlich)

Nun könnte man einwenden, dass nicht alle kriegerischen Auseinandersetzungen nach dem umfassenden Szenario von “Dessert Storm” ablaufen. Was wäre wenn die USA lediglich eine sehr „leichte“ militärische Intervention vorbereiten würden an dem nur schnelle Eingreiftruppen der USA und der NATO teilnehmen würden?

Leichte Kriegsführung bzw. Kriegsführung als schnelle Reaktion

Ich werde jetzt das wiederholen was ich bereits im Dezember 2014 geschrieben habe:

Die Russen fürchten keine militärische Bedrohung durch die NATO. Ihre Reaktion auf die jüngsten NATO Vorhaben (neue militärische Basen, mehr Truppen in Mitteleuropa, mehr Militärausgaben usw.) ist zwar die Verurteilung als militärische Provokation, aber offizielle russische Vertreter versichern, dass man mit dieser militärischen Bedrohung umgehen könne.

Wie sagte ein russischer Vertreter kürzlich: “5 schnelle Eingreif-Divisionen sind ein Problem, das wir mit einer einzigen Rakete lösen können”. Eine vereinfachte, aber grundsätzlich richtige Formel.

Wie ich bereits erwähnte, hatte die russische Führung längst beschlossen, die Luftlandetruppen zu verdoppeln und das 45ste Eliteregiment für Sondereinsätze auf volle Brigadestärke auszubauen. Man könnte somit sagen, dass Russland die Antwort auf die Schaffung einer 10.000 Mann starken NATO-Truppe mit der Verstärkung ihrer eigenen mobilen Luftlandetruppen von 36.000 auf nunmehr 72.000 Mann bereits gegeben hat.

Das ist eine typische Putin Aktion. Während die NATO mit viel TamTam, Fanfaren und Feuerwerk die Schaffung einer 10.000 Mann Eingreiftruppe mit dem Titel “Speerspitze” verkündet, verdoppelt Putin in aller Ruhe und Besonnenheit die Größe der russischen luftgestützten Truppen auf 72.000 Mann.

Und man kann davon ausgehen, dass die kampferprobten russischen luftgestützten Truppen als eine weit kampfkräftigere Einsatzgruppe im Vergleich zu der eher hedonistischen und demotivierten multinationalen rund 5.000 Mann starken Euroforce aus 28 verschiedenen Ländern anzusehen sind. Die NATO hat große Schwierigkeiten, diese Truppe zusammenzustellen und den US-Kommandeure ist das bewußt.

Um es anders auszudrücken, das Führen eines “leichter Konflikts” oder ein “rasches Eingreifen” ist ein Terrain, das die Russen exzellent beherrschen und bei dem die USA oder die NATO nicht darauf hoffen können, hier zu obsiegen.

Und sollte der „leichte Konflikt“ länger andauern und allmählich in eine umfassende Auseinandersetzung eskalieren: wessen schwere Truppen, jene der USA oder jene Russlands, wären näher und rascher verfügbar?

Schock und Ehrfurcht

Da gibt es natürlich noch ein anderes Einsatzmodell für die US-Kommandeure: die “Schock und Ehrfurcht”-Methode: diese besteht aus massiven Angriffen mit Cruise Missiles, begleitet von Bomber-Angriffen. Hier würde ich einwenden, dass man die Bombardierung des Iraks nicht mit einer Bombardierung Russlands vergleichen kann und man sollte nicht vergessen, dass die russische Luftabwehr die beste auf diesem Planeten ist.

Oder ich könnte weiter einwenden, dass die USA zwar eine tolle Erfolgsbilanz bei der Bombardierung von zivilen Zielen hat, die Ergebnisse gegen militärische Ziele sehen jedoch anders aus. Die Mission gegen das serbische Armee Korps in Serbien war ein jämmerlicher Fehlschlag.

(Bemerkung am Rande: 78 Tage ununterbrochener Luftangriffe der USA / NATO, mehr als 1.000 Kampfflugzeuge im Einsatz mit mehr als 38.000 Einsätzen haben was gebracht? Es wurden gerade mal zehn serbische Flugzeuge zerstört, die meisten am Boden, rund 20 Schützenpanzer und Panzer wurden zerstört und etwas mehr als 1.000 serbische Soldaten wurden getötet oder verwundet.

Die serbischen Truppen bestanden dabei aus mehr als 130.000 Soldaten, 80 Kampfflugzeugen, 1.400 Artilleriegeschützen, 1.270 Kampfpanzern sowie 825 Schützenpanzern (alles nachzulesen in Wikipedia).

Das 3. Serbische Armeekorps überstand diese massiven Luftangriffe praktisch unbeschädigt und die damalige Luftkriegsführung der USA/NATO wird als einer der größten Fehlschläge in die Militärgeschichte eingehen.

Aber auch wenn wir jetzt annehmen würden, die USA hätten mit der von ihnen bevorzugten Kriegsführung aus der Distanz Erfolg, glaubt wirklich jemand, dies könnte die russische Armee nachhaltig schwächen oder gar den Willen des russischen Volkes brechen?

Die Bevölkerung von Leningrad überlebte nicht zur 78 Tage, sondern 900 (in Worten: neunhundert!) Tage einer Belagerung und andauerndem Beschuss und Bombardierung und dachte zu keinem Augenblick daran zu kapitulieren!

Die Tatsache ist, dass eine defensive Kriegsführung erhebliche Vorteile für Russland im Vergleich zu den USA bringen würde, auch wenn wir lediglich konventionelle Waffen betrachten.

Würde ein potentieller Konflikt in der Ukraine oder den baltischen Staaten ausbrechen würde, die geographische Nähe gäbe Russland einen erheblichen Vorteil über jeden denkbaren US / NATO Vorstoß.

Umgekehrt ist ein russischer Angriff auf die USA oder die NATO aus dem gleichen Grund ebenso unwahrscheinlich. Russland kann seine Kräfte nicht weit außerhalb seiner Landesgrenzen einsetzen.

Wenn man sich die Organisationsstruktur und das Ausbildungskonzept der russischen Truppen ansieht, so erkennt man sofort, dass diese Armee dafür konzipiert wurde einen potentiellen Feind unmittelbar an der russischen Grenze oder innerhalb von weniger als 1.000 Kilometer Entfernung von dort zu schlagen.

Ja, natürlich, man kann gelegentlich russische Bomber, Kampfschiffe und U-Boote beobachten, die in weit größeren Entfernungen operieren. Aber das sind genau so typische „Flagge zeigen“ Einsätze und kein Kampftraining für anstehende militärische Operationen und Einsätze.

Der einzige Zweck des U.S. Militärs ist es hingegen, von Zeit zu Zeit ein kleines, weitgehend schutzloses Land zu bekämpfen und zu besiegen. Entweder um sich seiner Rohstoffe zu bemächtigen, eine Regierung zu stürzen, die nicht dem globalen Hegemon huldigen will, oder eben nur um ein Exempel zu statuieren.

Das U.S. Militär ist nicht dafür konzipiert einen großen Krieg gegen einen gleichwertigen Gegner zu führen. Lediglich die strategischen U.S. Nuklearwaffen sind dafür geplant andere Nuklearmächte – Russland oder China – in einem potentiellen Krieg zu bekämpfen.

Ähnliches gilt für die russische Armee, die im Wesentlichen defensive aufgestellt ist und keine Fähigkeiten für ein Bedrohungsszenario gegenüber Europa, geschweige denn gegenüber den USA besitzt.

Natürlich werden die westlichen Mainstream Medien im Hinblick auf die Truppenstärken der USA und Russlands weiterhin “Erbsen zählen”.

Aber das kann man getrost als Propaganda einstufen mit dem Ziel, in der Öffentlichkeit ein Gefühl der Dringlichkeit und Furcht zu erzeugen. Die Realität sieht anders aus. Weder die USA noch Russland werden in absehbarer Zukunft die Mittel und Möglichkeiten haben um sich gegenseitig mit Erfolg anzugreifen, auch nicht mit rein konventionellen Kräften.

Die einzige wirkliche Gefahr ist eine ungewollte und ungeplante plötzliche Eskalation, die zu einer Konfrontation führt, die letztendlich keine Partei gewollt hat oder dafür vorbereitet ist.

Der Angriff Israels auf den Libanon im Jahre 2006 oder die kriegerischen Angriffe Georgiens auf russische Friedenstruppen im Jahre 2008 sind zwei gute Beispiele dafür, dass dumme Politiker von Zeit zu Zeit unglaublich dumme Entscheidungen fällen.

Ich bin zuversichtlich, dass Putin und sein Team zu keinem Zeitpunkt solch dämlichen Entscheidungen treffen werden, aber wenn ich mir die derzeitigen Kandidaten für die kommenden U.S. Präsidentschaftswahlen so ansehe, dann wird mir ganz schlecht.

Geht es Ihnen auch so?


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