Deutschland als Preis für die Ukrainische Krise

Absicht ist es durch den Konflikt in der Ukraine Europa und vor allem Deutschland von Russland zu distanzieren

MORE: Politik

This post first appeared on Russia Insider


Aus dem Archiv: erstmals am 29. September 2014 erschienen


Vladimir Golstein ist Professor für Slawistik an der Brown Universität, eine Universität der amerikanischen Ivy League (Bündnis elitärer Universitäten Nordamerikas). Dieser Artikel ist sein Beitrag für Russia Insider.


Die NATO wurden nach dem berühmten Sprichwort gegründet man solle Amerika innerhalb behalten, Russland außerhalb lassen und Deutschland unterdrücken („to keep the Russians out, the Americans in, and the Germans down“).

Geographie ist Schicksal. Russland und Deutschland sind natürliche Partner. Sie hatten genug Kriege zwischen ihnen gegenseitigen Respekt zu verdienen. Sie haben das Know-how und erstaunliche Ressourcen; sie haben Energie und Vernunft, teilen sie die Fähigkeit, sowohl die Gemeinschaft und die einzelnen zu schätzen wissen.

Dennoch ist Geographie Schicksal. Russland und Deutschland sind natürliche Verbündete. Sie haben genug Kriege gegeneinander geführt um gegenseitigen Respekt zu verdienen. Beide verfügen über Knowhows, erstaunliche Ressourcen, Energie und Vernunft. Beide haben die Fähigkeit sowohl die Gemeinschaft, wie auch den Einzelnen zu schätzen.

Was würde eigentlich im Falle einer Allianz beider Länder geschehen? Das restliche Europa müsste sich ebenfalls verbünden und einen starken, mächtigen und, was ausgesprochen wichtig ist, natürlichen Block formen, der andere Blöcke nicht nur in Anspruch, sondern auch dominieren könnte, egal ob sie Asiatischer oder Nordamerikanischer Herkunft sind.

Einen Anhaltspunkt gibt es jedoch. Zwischen Russland und Deutschland liegen nämlich die Ukraine und Polen — zwei Länder, die sich um die Titel des 52 und 53 Staates der USA streiten. Die russenfeindliche und nationalistische Ukraine gemeinsam mit dem russenfeindlichen Polen und den Baltischen Staaten verkörpern den Keil, der zwischen durch ihre natürliche Anziehungskraft zueinanderstrebenden Russland und Deutschland getrieben wird.

Der Erste Kalte Krieg ist für die Seele Europas angezettelt worden (vgl. die Studie „Der kulturelle Kalte Krieg: Die CIA und die Welt der Künste und Literatur“ von Frances Stonor Saunders, erschienen 2000). Das Ziel ist nicht Russland, sondern eine Reihe Europäischer Länder gewesen, nämlich Frankreich und Italien, deren starke (bis zu 40% des gesamten Elektorates) kommunistische Parteien sie zu dem kommunistischen Russland hinzogen. Unzählige Mittel und ungeheure Anstalten sind dabei aufgebracht worden um einen Keil zwischen die Sowjetunion und ihre potentiellen europäischen Partner zu treiben. Es sollte einleuchten, dass Meinungsfreiheit, abstrakte Künste und Jazz ausschließlich im Westen, jedoch nie im Sowjetrussland, aufblühen können.

Den Krieg zu gewinnen ist keine Herausforderung gewesen.

Die Ukraine liegt an der Spitze des Zweiten Kalten Krieges mit der Aufgabe Europa von Russland zu distanzieren.

Russland ist kein stalinistisches Land mehr, darum kann man Russland nicht mit Mitteln der Musik, Kunst oder Waren des Westens einschüchtern. Die Unterdrückung von Pussy Riot, Khodorkowskij oder der Schwulenbewegung ist den Stalinistischen Lagern nicht gewachsen.

Russlands harte und unausweichliche Reaktion auf den Ukrainischen Putsch war wie ein von Gott gesandtes Ereignis um es im Westen immerfort als Beispiel für Russlands Untauglichkeit für jegliche Art europäischer Allianz zu melken. Die heutigen Russen mögen sehr wohl Jazz hören und Jackson Pollock bewundern, aber sie haben keinen Hang zu Aggression und Barbarei.

Die Ukraine war dazu bestimmt als Beispiel zu dienen, an dem die USA ihre Überlegenheit, weniger im kulturellen, als im Bereich demokratischer Institutionen, Legalität und Diplomatie, demonstrieren könnten um die Europäer, insbesondere die Deutschen, von der Notwendigkeit eines Wegzuges von Russland zu überzeugen.

Bisher hatte es auch funktioniert. Allerdings lassen sich Auswirkungen des Zweiten Kalten Krieges viel weniger voraussagen, als die des Ersten. Von Minute zu Minute fällt der Beweis der Überlegenheit Amerikas Demokratie, Diplomatie und Gesetzmäßigkeit immer schwerer.

Rothko, Pollok und Louis Armstrong könnten Europa sehr wohl zu den Vereinigten Staaten bringen. Wird aber ein mörderisches, rechtsextremistisches, mit der rücksichtslosen Außenpolitik der USA gepaartes Kiew Regime wirklich im Stande sein die heutigen Deutschen davon zu überzeugen, dass sie weder dem eigenen Verstand, noch ihrem Geldbeutel Vertrauen schenken sollen?


This post first appeared on Russia Insider

Anyone is free to republish, copy, and redistribute the text in this content (but not the images or videos) in any medium or format, with the right to remix, transform, and build upon it, even commercially, as long as they provide a backlink and credit to Russia Insider. It is not necessary to notify Russia Insider. Licensed Creative Commons


MORE: Politik

Our commenting rules: You can say pretty much anything except the F word. If you are abusive, obscene, or a paid troll, we will ban you. Full statement from the Editor, Charles Bausman.