Das russische Militär ist Schrott und Spitze zugleich

Heute sind 81 % der Russen davon überzeugt, dass ihr Militär sie vor jeglicher Bedrohung außenseits beschützen wird

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Wiederholen Sie: „Das russische Militär ist viel schwächer, als es manche glauben könnten — veraltetes, baufälliges Gerüst aus der Ära des Bolschewismus“ und „Die russische Streitkraft ist die hauptsächliche Bedrohung für uns — wir müssen mehr für unser Militär ausgeben und Trident erneuern“.

Beide Aussagen können widersprüchlicher nicht sein. Dem Kollegen Bryan McDonald aus RT OpEdge gehört der Begriff „Russophrenie“, der den Zustand beschreibt, in dem „der Betroffene fest davon überzeugt ist, dass Russland sowohl im Begriff ist zu kollabieren, wie auch kurz davor steht die Weltherrschaft an sich zu reißen“.

„Seit 2013 haben Erscheinungen dieser Krankheit epidemieartige Ausmaßen in Teilen von Washington, London und Brüssel angenommen“, so McDonald.

Mit Russophrenie, ähnlich wie mit der Grippe, kann sich jedermann anstecken, dennoch sind Vertreter der westlichen politischen und Medienelite die am meisten Betroffenen.

Ein gutes Beispiel hierfür — US-Präsident Obamas Äußerungen bezüglich des russischen Militärs.

Seit Langem schon erklärt er uns Russland solle aus Schwäche handeln. Vor fast zwei Jahren, im März 2014, behauptete er „Moskau bedrohe einige ihrer unmittelbaren Nachbarn nicht der Stärke, sondern ausschließlich der Schwäche Moskaus wegen“.

Er hatte Russland als „regionale Macht“ verworfen und das war’s.

Dieser “Russland ist schwach”-Mem wurde anschließend stark durch die US-Denkfabriken und westliche Medieneliten gefördert.

„Die Kriegsmacht, die so pompös während der Militärparade zum Siegestag am 9. Mai auf dem Roten Platz demonstriert wurde, ist rückläufig“, höhnte Pawel K. Bajew in seinem unter dem Titel „Russland ist nicht stark. Und Putin ist sogar schwächer“ bei Brookings Institute veröffentlichten Artikel.

„Trotz technischer Fortschritte und selektiver Erhöhung der Betriebsfähigkeit bleibt das russische Militär nur ein Schatten seiner eigenen Wahrnehmungsfähigkeit“, meint Andrew Bowen in seinem Artikel „Russlands irreführend schwaches Militär“ im National Interest.

Mit den im Westen ausgesprochen gefragten Artikeln, die das russische Militär auseinandernehmen, hätte man sich in den Jahren 2014 und 2015 seinen Lebensunterhalt gut sichern können.

Gleichwohl scheint das Land, das angeblich aus Schwäche handelt und nur eine „regionale Macht“ ist, etwas Größeres zu sein. Diese Woche hatte Obama Russland in einer Rede während einer ASEAN-Konferenz als „bedeutende militärische Streitmacht“ bezeichnet.

Bezüglich Syrien: „Offensichtlich wird eine Bande Aufständischer nicht im Stande sein sich mit dem zweitmächtigsten Streitkraft der Welt zu messen“. Basiert dieser militärische Papiertiger auf einer veralteten, baufälligen Ausstattung aus der Ära des Bolschewismus? Oder existieren nun mal zwei russische Streitmächte: die schrottige und die „zweitmächtigste“ der Welt?

Tatsache ist, dass eben dieses „rückfällige“ Militär gemeinsam mit den Truppen der Syrischen Arabischen Armee (eine weitere abgewiesene Streitmacht), Irans, Hisbollah und den Kurden den größten Anteil an Schaden dem Islamischen Staat und den westlichen / GCC unterstützten Terrorgruppen zugefügt und einen Regimewechsel in Syrien verhindert hatte.

Im Oktober spekulierte das National Interest Magazin jedoch immer noch Russlands Militär sei ein Papiertiger.

„Während das Kriegsabenteuer Moskaus in Syrien zeigt, dass der Zustand der Streitkräfte sich im Vergleich zu dem Verfall Mitte 1990-er sichtbar verbessert hat, verfügt das russische Militär stets über viele Schwachstellen“, schreibt Dave Majumdar.

Dem Gesagten pflichten jedoch nicht sehr viele Menschen bei, umso weniger der amerikanische Präsident.

In meiner OpEdge-Rubrik habe ich mich mit dem Phänomen von „Bombenplagiat“ auseinandergesetzt, bei dem die USA und westlichen Länder sich den Erfolg Russlands Anti-IS-Schläge zueignen und gleichzeitig, selbstverständlich, Russland auch die Schuld dafür geben, wenn Zivilisten umgebracht wurden.

Der russische Eingriff in Syrien hat die Spielregeln geändert und, wenn man überhaupt Kritik üben dürfte, dann ausschließlich daran, dass Russland nicht hatte früher eingreifen können. Jahrelang hatte der Westen Russland drangsaliert, mit rachsüchtigen und besessenen russophobischen Neocons an der Spitze des Feldzuges.

Nun ist das beste Mittel einen Rüpel zurechtzuweisen nicht sich zurückzuziehen, sondern seine Überlegenheit zu demonstrieren. Taten sprechen stets erheblich mehr als Worte.

Der russische Kriegseingriff, der am 30. September stattfand, hatte die Eliten des Westens überrumpelt. Diese hatten sich erwartungsvoll die Hände gerieben, die Niederlage der sekulären syrischen Regierung in Aussicht.

„Letzten Sommer ist uns von unseren westlichen Partnern gesagt worden Damaskus solle im Oktober den IS-Truppen zum Opfer fallen“, gab der russische Botschafter in Großbritannien Alexander Jakowenko, diese Woche preis. „Wir wissen nicht was sie als nächstes vorhatten. Vielleicht hätten sie ja die Extremisten „weiß bestrichen“ und sie als den Irak und Syrien ausdehnenden Sunni Staat anerkannt“.

Das russische Militär mit seinen „vielen Schwachstellen“, zusammen mit den Alliierten vor Ort, haben dies zu ändern vermocht. „Ich war einer von diesen Leuten, die der Schachzug in Syrien überrascht hatte“, musste der US Leutnant Ben Hodges zugeben. „Ich habe sie in Syrien schon seit einiger Zeit beobachtet, dachte aber sie seien derart durch ihre Beschäftigungen überfordert, dass ich ihnen nie hätte die Fähigkeit zumuten können so einfach in Syrien einzumarschieren“.

Russlands rechtliche Intervention gegen die durch den Westen unterstützten Terroristen in Syrien hat unweigerlich zu frischen Verurteilungen der Neocons, die sich aus begeisterten Bombern am 29. September 2015 zu besorgten Humanisten am 30. September 2015 verwandelten, geführt, hat sie aber auch gleichzeitig auf eine neue Ebene widerwilligen, von westlichen Korridoren der Macht und US-Militär-Bonzen erwiesenen Respektes gebracht. Die ersten Anzeichen hierfür hatten wir während John Kerrys Moskau-Besuch im Dezember bemerkt. Erneut sahen wir es im Februar in München, und da war es Sergej Lawrow, nicht sein US-Pendant, der das Sagen hatte. Außerdem lässt es sich auch an der abnehmenden Zahl der „Assad muss weg!“-Kommentare, die die westlichen Häupter roboterhaft von sich geben, nicht vermerken.

Während Neocons bei Twitter Gift und Galle spucken wieso die Antikriegsbewegung im Westen keine Demonstrationen vor Russischen Botschaften organisiere, sehen es die Realisten ein, dass das russische Militär dem Regimewechsel einen roten Strich durch die Rechnung gezogen hatte.

Obama gibt den Neocons mit seiner Aussage „eine Bande Aufständischer sei offensichtlich nicht im Stande sich mit der zweitmächtigsten Streitkraft der Welt zu messen“ zu verstehen, dass das Spiel für diejenigen, denen es danach liegt zu behaupten die „Aufständischen“ könnten Syrien an sich reißen, mehr oder weniger vorbei ist.

Allerdings sollten wir nicht erwarten, dass die „Russophrenie“ nun verschwinden würde. Russland wird auch weiterhin als Teil des Propagandakrieges gegen Putin verunglimpft, wobei die russische Streitmacht, in Syrien bewährt, stets das Argument für die Erhöhung der „Verteidigungs“-Ausgaben zu Gunsten des militärisch-industriellen Komplexes im Westen sein wird. Die neokonservative Regierung in Großbritannien ist nun vielleicht die russophobischste im Westen — und wissen sie was? Trident wird erneuert, wobei es nun, was den Falken umso mehr beunruhigt, einen Oppositionsführer (Jeremy Corbyn) gibt, der sich dem Obigen widersetzt.

Gleichzeitig hat die Tatsache, dass Russland so effektiv in Syrien eingegriffen hatte, auch die eigene Sicherheit Russlands erheblich gesteigert. Stellen Sie sich einfach vor Damaskus wäre im Oktober in die Hände der IS-Henker gefallen. Der Sturz der sekulären Regierung Syriens, eines langjährigen Verbündeten Russlands, hätte die Neocons nur weiter ermutigt. Sie würden Russlands Tatenlosigkeit als Zeichen der Schwäche erkennen und voller Zuversicht auf Iran vorzurücken, sollte die Zeit reif sein, und anschließend auch auf Russland.

Heute sind 81 Prozent der Russen davon überzeugt, dass ihr Militär im Stande ist sie vor jeglicher kriegerischer Bedrohung außenseits zu bewahren.

Die Zahl ist von 60 Prozent im Jahre 2014 deutlich gestiegen und die Intervention in Syrien hat offenbar als wichtiger Faktor zur Erhöhung des Vertrauens der Öffentlichkeit beigetragen.

Das russische Militär ist mit Sicherheit nicht Schrott. Es ist offensichtlich auch weder rückläufig, noch ein „Papiertiger“. Doch hat Russland nur eine Möglichkeit es zu beweisen, und zwar durch Demonstration seiner Fähigkeiten. Der Augenblick ist gekommen — die USA müssen Russland, das Land, das man vorher als „regionale Macht“ verworfen hatte, bitten die Bombardierung jener nördlicher Gebiete Syriens, wo ihre Spezialeinheiten tätig sind, einzustellen.

Was für eine Wende!


Source: Russia Today

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