Russen & Deutsche: Zwei Völker wollen Frieden

Die politischen Eliten sind auf einen Konflikt mit Russland angewiesen, normale Menschen jedoch wünschen sich nur Frieden

Die aktuelle Studie von TNS Infratest Politikforschung im Auftrag der Körber-Stiftung fördert Erstaunliches zutage. Trotz jahrelanger und mühevoller Bearbeitung der Massenseele durch die Monopolmedien, trotz akribischer Konstruktion von Feindbildern, wollen sich Deutsche und Russen einfach nicht hassen. Die Umfragewerte zeigen: Deutsche und Russen wollen endlich wieder Freunde sein.

Die Eskalationsspirale im Konflikt zwischen Russland, der EU und dem großen Bruder USA ist von den politischen Eliten Europas gewollt, gefördert und von westlichen Massenmedien immer weiter verschärft worden. Das hat seine Gründe. Eine Rückschau auf die Pressemeldungen der letzten Monate und Jahre beweist dies zweifelsfrei. Seit dem Umsturz, in Folge des Maidan-Putsches Ende 2013, trommeln NATO-hörige Medien und US-treue Politiker – ja, auch deutsche – immer wieder für schärfere Sanktionen gegen unseren Verbündeten im Osten und fabulieren noch heute von einem neuen Kalten Krieg, den der „Kreml-Herrscher“ Waldimir Putin dem Westen aufgezwungen habe. Diese Eskalation läuft nun seit einigen Jahren, und trotz größter propagandistischer Bemühungen – man erinnere sich nur an den Abschuss der MH17 oder die sogenannte Annexion der Halbinsel Krim – gelang es dem Syndikat aus Politik und Medien nicht, einen Keil zwischen Deutsche und Russen zu treiben. Die Völker wollen Frieden, nichts Anderes.

<figcaption>Denkmal der deutsch-russischen Freundschaft</figcaption>
Denkmal der deutsch-russischen Freundschaft

In einer repräsentativen Umfrage der Körber-Stiftung von März 2016 haben rund 1.000 befragte Deutsche wie Russen klargestellt, dass sie die Logik der neuen Abschreckungspolitik ablehnen und zurückwollen, zu einem freundschaftlichen Verhältnis mit ihren Nachbarn. „Die Umfrageergebnisse zeigen im Hinblick auf die Zugehörigkeit Russlands zu Europa eine tiefe Spaltung beider Gesellschaften. Doch gleichzeitig befürworten Deutsche und Russen die Rückkehr zur Zusammenarbeit und eine Fortsetzung der historischen Aussöhnung“, fasst Gabriele Woidelko, Leiterin des Fokusthemas „Russland in Europa“ zusammen. Von tiefer Spaltung wird hier allerdings schon dann gesprochen, wenn Deutsche und Russen in Fragen der EU, der Ukraine oder sonstigen wirtschaftlichen, politischen oder kulturellen Belangen unterschiedliche Meinungen vertreten. Es überwiegt in jedem Fall der eindeutige Wunsch beider Völker, wieder aufeinander zuzugehen und bestehende Konflikte friedlich zu lösen.

Ob Russland zu Europa gehört, wie sich die Macher der Umfrage gleich zu Beginn erkundigen, dürfte von Deutschen wie Russen mehrheitlich mit Achselzucken beantwortet worden sein – handelt es sich dabei doch wohl eher um eine philosophische Frage. Politisch gehört Russland sicher nicht zur EU, geographisch zu Europa schon eher, kulturell auf jeden Fall, wirtschaftlich durchaus, historisch vielleicht auch. Insofern ist die Antwort auf diese Frage in beiden Ländern fast gleich ausgefallen. Auf beiden Seiten etwa 50/50. Was aber viel interessanter ist: Knapp 67 % der Deutschen wünschen sich für die Zukunft, das Ende des Zweiten Weltkriegs gemeinsam mit Russland feiern zu können – alte Systemgegensätze sollen ein für alle Mal überwunden werden. In Russland sind es sogar 77 %, die sich diese Geste der Versöhnung wünschen und einen finalen Schlussstrich ziehen wollen. 61 % Prozent der Deutschen finden sogar, dass die Auseinandersetzung mit der russischen Kultur und Geschichte durchaus weiter vertieft werden könnte.

63 % der Deutschen sind der Meinung, dass „Aussöhnung und Annäherung“ durch das aktuelle politische Geschehen gefährdet seien. Auf russischer Seite empfinden 47 % diese Gefahr. Entscheidend aber ist, dass sich 81 % der Deutschen dafür aussprechen, enger mit Russland zusammenzuarbeiten. Das wollen auch 62 % der befragten Russen. Nur 15 % der Deutschen sind laut Umfrage gegen diese Annäherung. Zum Vergleich: Für eine (noch) engere Kooperation mit den USA sind in Deutschland 59 %. Höchst aufschlussreich ist auch, wie sich beide Nationen gegenseitig wahrnehmen: 37 % aller Deutschen sehen Russland als „Konkurrenten“, in Russland sind es umgekehrt nur 21 %. 33 % der Deutschen und 34 % der Russen sehen sich gegenseitig als Nachbarn. Dass die Russen den Deutschen mehr vertrauen, zeigt sich auch darin, dass immerhin 21 % der Russen die Deutschen als „Partner“ sehen, umgekehrt sehen das nur 9 % genauso.

Die vielleicht entscheidendste Frage ist die nach Aufrechterhaltung der Sanktionen: Fast 70 % der Deutschen wollen die „Zusammenarbeit wiederaufnehmen“ und so die Sanktionen beenden. In Russland sprechen sich gar 79 % für diesen Schritt aus. Ein Phänomen: Mit steigendem Bildungsniveau nimmt die Bereitschaft zur Verständigung mit dem Nachbarn ab, nicht zu. Jeder möge daraus seine eigenen Schlüsse ziehen. Die politische Annäherung von Deutschland und Russland empfinden 95 % aller befragten Deutschen als „wichtig“ beziehungsweise „sehr wichtig“, umgekehrt sieht das ebenfalls eine große Mehrheit von 84 % entsprechend. Dieses Votum für Frieden und Verständigung ist eindeutig. Dass die verantwortlichen Politiker der BRD, eingebettet in das Großreich EU und betreut durch den großen Bruder in Übersee, in den vergangenen Monaten und Jahren das genaue Gegenteil verfolgten, ja in der Tat keine Gelegenheit ausließen, Sanktionen zu verschärfen und ihrer Empörung über das Vorgehen Putins überschwänglich Ausdruck zu verleihen, vorhandene Brücken abzureißen und sich klärenden Gesprächen zu verweigern, ist niemandem verborgen geblieben. Damit handelte die Bundesregierung laut diesen Zahlen offenbar direkt gegen den Willen der eigenen Bevölkerung.

Dass die Medienpropaganda allerdings auch nicht ganz spurlos am kollektiven Bewusstsein der Deutschen vorbeigegangen ist, zeigen Antworten wie diese: Knapp die Hälfte (48%) aller befragten Deutschen halten Russland für ein „bedrohliches Land“. Spannend wäre gewesen, wie viele deutsche Bürger die USA für bedrohlich halten… Interessant auch: Das Gefühl der russischen Bedrohung steigt auch hier mit dem Alter und dem Bildungsniveau. Soll heißen: Wer eine deutsche Uni besucht hat oder zur vermeintlichen Intelligenzia gehört, lässt sich offenbar stärker von der westlichen Propaganda einlullen. Als Hauptgrund für den neuen Ost-West-Konflikt, so wie er in das politische und gesellschaftliche Leben beider Völker hineinmanipuliert worden ist, kann der Ukraine-Konflikt gelten. Laut der Umfrage sind 60 % der Deutschen für eine „Annäherung der Ukraine an die EU“, 31 % sind dagegen. Bei den Russen sind umgekehrt 66 % gegen diese Annäherung und nur 21 % dafür.

Nicht nur die Umfrage und ihre Ergebnisse selbst sind interessant, sondern auch die Art und Weise, wie über sie in den Massenmedien berichtet wird. Ein lesenswerter Kommentar erschien etwa bei Telepolisunter dem Titel: „Russen und Deutsche wünschen ein besseres Verhältnis zueinander.“ Doch wehe dem, der sich in die Untiefen der Monopolpresse wagt: Da ist es dann wieder, das Paralleluniversum, in das es einen verschlägt, wenn man etwa den Kommentar bei Stern Online zu diesem Stimmungstest liest: „Deutsche und Russen werden sich immer fremder“ orakelt man dort am 27. April. „Zwischen Deutschen und Russen – das belegt eine aktuelle Studie der Körber-Stiftung – herrscht Eiszeit“, heißt es im Untertitel. Dass die Umfrage tatsächlich das genaue Gegenteil beweist, störte die Autorin wohl nicht, als sie in berechnender Weise die Realität auf den Kopf stellte. Hier zeigt sich wieder: Jedes hoffnungsvolle Signal, jede positive Entwicklung kann durch die Medien in ihr Gegenteil verkehrt werden. Einen politisch herbeimanipulierten Konflikt, der besonders die Interessen und Wünsche der jeweiligen Völker missachtet, kann man so endlos in die Länge ziehen und nach Belieben anheizen. Zumindest versuchen Medien wie der Stern dies ganz offenbar. Dass diese Hetze bei den wenigsten Menschen noch verfängt, ist eine Botschaft, die uns durchaus Hoffnung geben kann. Eins wird dabei aber erneut nur allzu deutlich: Diese Massenmedien haben keinerlei Interesse an einer Aussöhnung von Deutschland und Russland, im Gegenteil. Sie schreiben, was die transatlantisch vernetzten Geldgeber lesen wollen und die Masse denken soll. „In den Köpfen herrscht, so scheint es, ein neuer Kalter Krieg“, kommentiert der Stern weiter. Dieser Kalte Krieg findet in den ebenso kalten Herzen und Köpfen gewissenloser Politiker und Journalisten statt, nicht aber in den Gemütern des einfachen Bürgers, weder hüben noch drüben. Denn Otto Normalverbraucher kann nichts am Konflikt verdienen, also auch kein Interesse an der Auseinandersetzung mit seinen Nachbarn haben. Im Gegensatz zu den Hofberichterstattern und politischen Lakaien der Neuen Weltordnung, die ihre Machtpolitik – wie eh und je – auf dem Rücken der arbeitenden, nichtsahnenden Bevölkerung austragen. Pfui.

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