Wohin will die NATO? Provokation oder Suizid?

Der Westen hat nicht mit derartigen Ergebnissen der russischen Streitkräfte in Syrien gerechnet

Sun, May 29, 2016
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Es ist heute so wie es ist. Und zwar hat der Westen den Wunsch, die Russen ins nächste Wettrüsten und damit zur ökonomischen Niederlage zu treiben, wie es mit der UdSSR geschah. Deshalb ist es der Wunsch der Herrn der NATO, möglichst viele von ihren Waffen direkt an der russischen Grenze zu platzieren. Dabei sagen sie, dass sie ganz sicher diese Grenze nicht verletzen werden. In Syrien ist das ganz anders. Da kann man alle Sendungen der NATO-Raufbolde  mit einer Markierung erwarten: "Made in USA".

Der neue NATO-Oberbefehlshaber in Europa, General Curtis Scaparrotti, übertrifft seinen Vorgänger Philip Breedlove noch im Heißmachen. Mit der Äußerung, "die NATO müsse immer bereit sein, 'schon am Abend' gegen Russland Krieg zu führen", hat der neue Oberbefehlshaber der Allianz seinen Vorgänger im Anheizen der Kriegshysterie noch weit übertroffen. Scaparrotti hatte Russland gestern als eine der Hauptbedrohungen genannt, mit denen sich die Allianz konfrontiert sehe. Es gibt in seiner Welt niemanden, der ihn hinterfragt.

Da er mindestens dieselbe Politik weiterführen wird, muss er sich auch bemühen, den Vorgänger zu übertreffen. Und es ist vollkommen natürlich, dass gerade die baltischen Limitrophe neue Energie daraus ziehen. Das, was alle Feldherren aus den baltischen Mikrobildungen mit kalten Schweiß auf der Stirn nachts schreien: "Die Russen kommen!", ist allgemein bekannt. Und gerade jetzt wünschen sie sich die "anwachsende" äußere Bedrohung seitens Russlands widerzuspiegeln. Und schließlich müssen die ständigen Manöver unter Leitung der westlichen Kollegen endlich mal Früchte tragen. Das Thema Ausbildung eines Zuges sollten die Balten jetzt wirklich endlich beherrschen und damit zur Kompanieübung übergehen können.

Die Tatsache der Unterbringung der amerikanischen Bataillone an den russischen Grenzen ist ihnen natürlich unangenehm. Es ist auch unangenehm, wenn sie in dir ständig den Aggressor sehen und sich dann den Anschein geben, dass das Bataillon gerade das ist, was diese Aggression aufhalten kann. Irgendwie ist das auch hochgradig respektlos und nicht zielführend.

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Wahrscheinlich hat gerade deshalb Minister Schoigu am 4. April angekündigt, dass in der westlichen Richtung, wo sie sehr gern ihre Manöver durchführen, noch zwei Divisionen gegründet und stationiert haben und bei Rostow am Don eine dritte. Das geht richtig schnell. Selbst die Unterkünfte zu errichten (aus Fertigteilen) dauert nicht länger als insgesamt 14 Tage. Man geht dort von vorhandenen Brigaden wieder auf die schon vor Jahren erprobte Divisionsstruktur zurück (ca. 10.000 Mann, 3 MSR, 1 PR, 1 AR, 1 FlaSFLR mit modernst möglicher Technik ausgerüstet). Und die Russen werden auch Manöver durchführen. Herzlich gerne und mit den berühmten russischen Maßstäben. Wer will – schließt sich ihnen an, wer nicht will – zieht seine Schlussfolgerungen.

Lange fragte ich mich, warum stellen sie dort Bataillone auf. Um die russischen Truppen anzuhalten? Damit doch ganz sicher nicht.

Eine ähnliche Situation gibt es auch in puncto Luftwaffe. Ja, so ein Pärchen F-22 ist ein wichtiger Beitrag für die Verteidigungsfähigkeit der Balten. Und sie können da fliegen bis zur Abschreibung. Später werden sie Denkmäler aus ihnen machen.

Also immer wieder die Kardinalfrage: Warum? Warum diese Hektik? warum dieses Russlandbashing? Warum die Hysterie in der deutschen Presse? RT (Dr. Ritz) gibt dazu heute die folgende Antwort: Wegen der ideologischen Schwäche des heutigen Westens. Von Jahr zu Jahr wird immer deutlicher, dass sich die heutige westliche Welt in einer tiefgreifenden geistigen und kulturellen Krise befindet, die sich immer weiter vertieft, weil sie völlig ziellos ist. Die Ausstrahlungskraft des westlichen Systems ist im Abnehmen begriffen. Seine Versprechen tragen nicht mehr und seine Überzeugungen werden zunehmend hinterfragt. Man könnte auch sagen, der Westen ist mit einer Krise seiner Ideologie konfrontiert.

"Diese ideologische Krise des Westens hat viele Ursachen. Der wichtigste Grund besteht darin, dass die westliche Welt ein falsches Bild von sich selbst und damit auch eine falsche Vorstellung von ihren Beziehungen zu anderen Kulturen entwickelt hat. Diese Fehlentwicklung kam zustande, weil die USA und ihre Verbündeten in den 1990er Jahren die Entwicklung einer außenpolitischen Strategie für die Zeit nach 1989 lediglich einer sehr kleinen Gruppe von Menschen anvertraut hatten, im Überschwang des Sieges über die UdSSR war das nicht wichtig.

Es handelte sich hauptsächlich um in so genannten Think Tanks oder auch Denkfabriken beschäftigte Akademiker, die größtenteils einen ähnlichen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Hintergrund hatten. Die meisten von ihnen hatten bereits während des Kalten Krieges ihre Karriere begonnen und deshalb die westlichen Positionen in der Systemauseinandersetzung tief verinnerlicht. Da es sich bei ihnen in der Mehrzahl um Akademiker und nicht um Intellektuelle handelte, legten sie sich keine grundsätzliche Rechenschaft über die Grundkategorien ihres Denkens ab. Dafür gibt es heute die Quittung.

Weil die Öffentlichkeit ebenso wenig an der Ausarbeitung beteiligt war wie unabhängige Intellektuelle, schlichen sich Wunschvorstellungen in die Konzeption der 'Grand Strategy 12' nach 1989 ein. Der erhebende Glaube an die unumschränkte Vorherrschaft des Westens wurde so zum Leitmotiv. Hinzu kam das Bedürfnis, die eigene Karriereplanung zu befördern. Es wurde veröffentlicht, was dem Zeitgeist entsprach und der eigenen Karriereplanung dienlich war.

Am Ausgangspunkt dieses neuen Kalten Krieges, den wir heute erleben, steht somit eine – vorsichtig ausgedrückt – nicht sehr realistische Grundidee: nämlich die, dass es möglich wäre, die gesamte Welt mit ihren vielen, oft Jahrtausende alten Kulturen zu verwestlichen. Diese Vorstellung ist eigentlich zu unrealistisch, um zum Ausgangspunkt einer groß angelegten außenpolitischen Strategie zu werden. Und doch ist in den vergangenen 25 Jahren genau das passiert." Dr. Hauke Ritz

Nichtsdestoweniger muss man daran denken, dass das Bataillon der amerikanischen Raufbolde nicht das Äußerste ist, was in Suomi passieren kann. Und wenn dann Handlungen gegen Russland beginnen, dann werden es keine Scherze sein. Sie wissen wie weit Peter von der russisch-finnischen Grenze entfernt liegt. Deshalb, wie ich es auch drehe, man muss das Geld ausrechnen, das Regiment "Iskander" aufstellen (besser zwei), sie auf das friedliche finnische Territorium richten, wo die Fachkräfte der NATO und ihre Brüder im Geiste sitzen werden.

Ich habe, wenn ich ehrlich sein soll, über die Balten seit langem das Kreuz geschlagen. Aber den Schweden und den Finnen hätte ich dringend empfohlen, über sich und ihre Zukunft nachzudenken. An einem schönen Tag spazieren zu gehen, sich an der frischen Luft zu erfreuen, zu atmen. Dann noch einmal auf die russische Seite zu kommen und da das Gleiche zu tun.

Und dann später, am nächsten Tag, nüchtern darüber nachzudenken, ob das alles notwendig ist.

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