Putin an die westlichen Eliten: Die Zeit der Spielchen ist vorbei

Ein exzellenter Russland Blogger schildert Putins Sotschi-Rede in 10 Punkten

Sun, Mar 27, 2016
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Kinder sollen spielen, Erwachsene — handeln
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Die längere, erstmals erschienene Version finden Sie unter ClubOrlov blog.


Die Mehrheit im englischen Sprachraum wird Putins Rede an der Valdai-Konferenz in Sotschi wohl verpasst haben und diejenigen, die die Möglichkeit hatten der Rede zuzuhören, haben sie wahrscheinlich nicht lesen können, wodurch sie deren Bedeutung versäumten.

Die westlichen Medien haben ihr Bestes gegeben um diese Rede zu verschweigen oder ihren Sinn zu verdrehen. Egal was Sie nun von Putin halten oder nicht (Putin existiert, ebenso wenig wie Mond und Sonne, dafür, um bei Ihnen eine Meinung zu sich zu verschaffen) — es ist vielleicht die wichtigste politische Rede seit Churchills „Iron Curtain“ am 5. März 1946.

In seiner Rede hatte Putin schlagartig die Spielregeln geändert. Ehemalige Tradition der internationalen Politik war folgende: Politiker verkündeten öffentlich die Erhaltung des angenehmen Märchens von wegen nationaler Souveränität, dabei dienten diese Ansagen ausschließlich zur Schau und hatten nichts mit der Substanz der internationalen Politik überein; in der Zwischenzeit führten sie geheime Hinterzimmerverhandlungen, wo auch die echten Entschlüsse gefasst wurden.

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Putin hatte auch eine Zeitlang mit der Erwartung man würde mit Russland wie mit einem Ebenbürtigen umgehen mitgespielt, dennoch konnten seine Hoffnungen nicht erfüllt werden. Während der Konferenz erklärte er nun das Spiel für beendet, wodurch er explizit das westliche Taboo überschritt und sich direkt an das Volk wandte, und nicht etwa durch die Eliten oder politischen Führer.

1. Russland möchte keine Spielchen mehr spielen und an Hinterzimmerverhandlungen über Kleinigkeiten teilnehmen. Russland ist für ernsthafte Vereinbarungen und Dialoge bereit, wenn jene auch zur kollektiven Sicherheit beitragen und eine faire, die Interessen Beider Seiten berücksichtigende Grundlage haben.

2. Alle Systeme globaler kollektiver Sicherheit liegen in Schutt und Asche. Es gibt überhaupt keine internationalen Sicherheitsgarantien mehr, alle von den Vereinigten Staaten Amerikas zerstört.

3. Die Schöpfer der Neuen Weltordnung haben versagt, indem sie eine Sandburg schufen. Ob eine neue Weltordnung auserarbeitet werden muss oder nicht hat nicht nur Russland zu entscheiden. Eine Entscheidung kann jedoch nicht ohne Russland getroffen werden.

4. Russland hat eine konservative Herangehensweise, was Neuerungen in der gesellschaftlichen Ordnung betrifft. Das bedeutet aber nicht, dass es sich Erforschung und Diskussion gegenüber in einer Opposition befindet. Russland möchte nur sichergehen, dass die Einführung der Innovationen gerechtfertigt ist.

5. Russland hat keine Absicht in den trüben Gewässern zu fischen, die von dem amerikanischen, sich stetig erweiternden „Imperium des Chaos“ erschaffen wurden. Ebenso wenig hat Russland vor auf eigene Faust ein Imperium zu gründen (die Herausforderungen für Russland liegen im Gebiet der Entwicklung ihres ohnehin schon riesigen Territoriums). Russland möchte auch nicht zum Retter der Menschheit werden — eine Rolle, die es schon oft genug in der Vergangenheit hatte spielen müssen.

6. Russland wird nicht den Versuch unternehmen, die Welt nach ihren Vorstellungen umzugestalten, wird aber auch keine Umgestaltung ihres eigenen Bildes dulden. Russland hat sich nicht von der Welt verschlossen, doch riskiert derjenige, der Anstalten machen wird Russland von der Welt zu isolieren, „Sturm zu ernten“.

7. Russland hat auch kein Interesse an Chaosausbreitung, Kriegsführung und Kriegsstiftung. Nichtdestotrotz erkennt Russland, dass der Ausbruch des globalen Krieges fast unvermeidlich ist. Deshalb ist Russland auf einen Krieg gefasst, wird sich auch weiterhin darauf vorbereiten. Russland will zwar keinen Krieg, fürchtet ihn aber nicht.

8. Russland wird auch nicht diejenigen, die immer noch versuchen eine neue Weltordnung durchzusetzen aktiv an ihren Plänen hindern, solange gegen die strategischen Interessen Russlands nicht verstoßen wird. Russland bevorzugt es ein Betrachter davon zu sein, wie Obige sich verdient ihre armen Köpfe anschlagen. Doch diejenigen, die versuchen Russland ungeachtet russischer Interessen in diesen Prozess mitzuziehen, haben damit zu rechnen wahre Schmerzen kennen zu lernen.

9. In der Außen- und Innenpolitik verlässt sich Russland nicht auf die Eliten, die immer etwas im Schilde führen, sondern auf den Willen des Volkes.

Eines möchte ich noch klären:

10. Eine neue Weltordnung kann man auch ohne Krieg etablieren. Die USA müssen zu dieser neuen Weltordnung gehören, aber nur unter gleichen Bedingungen, nach denen das internationale Recht und Abkommen, die Enthaltung vor jeglichen einseitigen Aktionen und die Souveränität anderer Nationen respektiert werden muss.

Die Zeit der Spielchen ist vorbei. Kinder, steckt euer Spielzeug weg. Es liegt nun an den Vernünftigen Entscheidungen zu treffen. Russland ist dazu bereit. Und die Welt?

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