Russland und der Westen haben ihre geistigen und kulturellen Rollen getauscht

Russen kehren in einer modernen Form zum Christentum zurück

Der Glaube an Gott kommt in Russland durchaus modisch daher
Der Glaube an Gott kommt in Russland durchaus modisch daher

Fr. Iben Thranholm ist eine bekannte dänische Journalistin die viel über das Christentum und Theologie publiziert. Sie ist oft im Radio und Fernsehen zu hören und zu sehen. Derzeit arbeitet sie an einem Buch über die russische orthodoxe Kirche. Fr. Thranholm lebt aktuell in Dänemark.


Dieses Interview wurde mit der dänischen Journalistin und Theologin Iben Thranholm geführt, die fünf Sendungen im dänischen staatlichen Radiosender „Radio24syv“ mit dem Titel „From Russia with Love“ sowie dem Untertitel „Ein unvoreingenommener Blick auf Putins Russland“ ausstrahlte.

Inspiriert vom ehemaligen Kaiser Konstantin sowie mit Blick auf den Osten gerichtet ist Fr. Thranholm der Überzeugung, dass es möglich sein sollte, den christlichen Glauben im Westen wiederzubeleben. Iben Thranholm ist sich der Bürde dieser Aufgabe sehr wohl bewusst. „Der Abscheu des Westens gegenüber dem Christentum ist leider enorm“ konstatiert die Theologien, die sich auch nicht scheut, Präsident Putin, bevorzugtes Ziel von Hohn und Spott westlicher Mainstream Medien, zu verteidigen.

“Der Fall um „Pussy Riot“ hat mir die Türe nach Russland geöffnet” erläutert sie.

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“Ich habe zwischenzeitlich verstanden, dass Russland ein Land ist, das keine Kompromisse im Hinblick auf christliche Werte eingeht. Russland ist nicht irgendein Land oder eine Nation, Russland ist ein geistiges Konzept und eine bestimmte Geisteshaltung. Das Vergehen von „Pussy Riot“, für das sie letztendlich angeklagt und verurteilt worden sind, war nicht die Kritik an Präsident Putin. Ihr Verbrechen war vielmehr das rechtswidrige Eindringen in die Christi-Erlöser-Kathedrale, einen der heiligsten Orte in Russland, und dort das Zelebrieren von Gotteslästerungen unmittelbar vor den Ikonostasen.

Im Westen wird die Redefreiheit oft dafür ausgenutzt und missbraucht um religiöse Gefühle anderer zu verletzen. In Russland hingegen gibt es eine klare rote Linie in Bezug auf nicht mehr tolerierte Formen der Gotteslästerung. Das hat mich fasziniert und so bin ich nach Moskau gereist um mehr darüber zu erfahren. Das Ergebnis waren mehrere Radiosendungen in Dänemark mit dem Ziel, meinen dänischen Landsleuten abseits der üblichen, tendenziösen und nicht besonders hilfreichen Klischees ein ausgewogeneres Bild über Russland zu liefern.“

Frau Thranholm während einer Russland-Reise

Wie war Ihr Eindruck von Russland?

“Ich habe eine überwältigende Energie der Menschen erlebt, eine moralische Energie wie sie vielleicht in Amerika während der 50er Jahre zu erleben war. Ich habe hilfsbereite, poetische und kultivierte Menschen getroffen, die ein hohes Maß an Opferbereitschaft zeigen. Die Atmosphäre in Moskau ist komplett anders als in anderen europäischen Hauptstädten und anders als im Westen fühle ich mich im Osten geistig frei und unabhängig.

Während im Westen das Christentum verhöhnt wird und Europa in Selbstverachtung schwelgt, kehrt Russland zu einer modernen und zeitgemäßen Form des christlichen Glaubens zurück.

Man darf dabei nicht vergessen, dass das Christentum während der kommunistischen Ära in Russland unterdrückt wurde und das Land atheistisch war. Die Russen kennen daher die bittere Frucht des Atheismus und haben keine große Lust auf die Ödnis, die dieser hinterlassen hat.  

Der interessante Aspekt dabei ist, dass in Russland das Christentum mit Eigenschaften wie modern und fortschrittlich assoziiert ist. Die geistige Einstellung vieler junger, hipper, kluger und wohlhabender Leute zeigt eine natürliche und geradlinige Haltung zu ihrem christlichen Glauben. Christlich zu sein gilt als modisch, jedoch nicht im Sinne der westlichen Pop-Kultur. Christliche Wurzeln finden sich tief im russischen Leben und die Russen blicken erstaunt auf unsere westliche Einstellung unser geistiges Erbe zu wahren bzw. eben auch nicht zu bewahren.

Aber nicht nur das: sie erkennen in unserer Besessenheit für das politisch Korrekte, der sozial-liberal getriebenen Überwachung der Medien und der akademischen Welt eine neue Ausprägung des Terrors und des Totalitarismus, unter dem sie selbst 75 Jahre lang gelitten haben und dem sie nunmehr entkommen sind.

Nach dem Ende des Kalten Krieges haben der Osten und der Westen ihre geistigen, kulturellen und moralischen Werte getauscht. Der Kulturmarxismus im Westen breitet sich ungehindert aus.“

Aber Kommunismus und Sozialdemokratie sind doch nicht das gleiche?

“Lassen Sie es mich anders ausdrücken. Während der Herrschaft des Kommunismus befand sich Russland im Griff einer Kultur des Todes. Aber nun kehrt Russland im christlichen Sinne zum Leben zurück mit einem starken Bewusstsein für seine historischen Wurzeln und seine Entwicklung.“

Die Situation im Westen ist genau entgegengesetzt. Wir huldigen dem Tod und haben uns einer teuflischen Sicht hingegeben, die den Menschen in einer selbstgerechten Wut gegen Gott ankämpfen lässt. Wir können uns heute ganz einfach online scheiden lassen. Wir ziehen die Arbeit und die Karriere familiären Aufgaben vor, insbesondere dem Aufziehen von Kindern.

Wir treten für die Euthanasie ein, die Abtreibung auf Abruf, die Betonung der Rechte von Homosexuellen und gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Unsere Städte tauchen derweil im Islam und ständig zunehmender Parallelgesellschaften ab.

Russland hat einen ganz anderen Weg gewählt und dies ist einer der Gründe, warum viele Russen die sogenannten Aktivisten wie „Pussy Riot“ als moderne Bolschewiken empfinden.

Sie dringen widerrechtlich in Kirchen ein und entweihen diese unantastbaren Plätze. Der Westen feiert dies als Fortschritt und Erfolg. Die Russen erinnert dies daran, dass der Geist des Kommunismus immer noch am Leben ist. Er nimmt lediglich neue Formen an und macht sich im Westen breit wo liberale und progressive Kräfte Gruppen wie „Pussy Riot“ lieben und bewundern.

Heute zeigt sich der Geist des Kommunismus im westlichen Kult um Menschenrechte, der grenzenlosen Redefreiheit sowie der Utopie der Eliten im Hinblick auf sogenannte offene Gesellschaften. Wir haben die Ödnis vor uns, aus der sich die Russen zwischenzeitlich befreit haben.

Der Patriarch Kirill hat eine Warnung an den Westen ausgesprochen: „Geht nicht den gleichen Weg, den wir gingen. Wir haben es getan und es hat zur Zerstörung geführt“!

Kürzlich hat das russische Militär eine Übung unter dem Szenario eines Angriffs auf das nördliche Norwegen, Aaland, Gotland und Bornholm durchgeführt. Halten wir jetzt gerade die andere Wange hin?

"Nun, das ist die falsche Sicht der Dinge. Die Russen halten solche Übungen aufgrund des geopolitischen Drucks der NATO ab, die ihre militärische Präsenz entlang der ukrainischen Grenze sowie in den ehemaligen Staaten des Warschauer Paktes permanent ausbaut.

Die russische Außenpolitik ist lange Zeit verteufelt worden. Russland ist gezwungen auf eine Situation zu reagieren, die es nicht geschaffen hat. Das ist nicht das gleiche wie Aggression. Warum sollte es Russland akzeptieren, von allen Meereszugängen abgeschnitten zu werden, von Sankt Petersburg bis hin zu Wladiwostok? Das wäre undenkbar. Mit eiskalter Heuchelei versteht es der Westen Russland als neuen Feind aussehen zu lassen. Die Wahrheit ist das genaue Gegenteil. Der Westen ist unser schlimmster Feind.

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